Hintergrundbild (Schönwetterhimmel mit Wolken)

Nachdenkliches

Nachdenkliches von Uwe Keller:

Viele Menschen können nicht glauben, dass ich mich in meinem jetzigen Leben – mit/trotz all den/den Schwierigkeiten – wohler fühle, als im Leben vor meinem Schlaganfall. Das hat aber starke persönliche Gründe. Die folgende Geschichte hat mir meine Logopädin in der Reha-Klinik (Frau Brück, Kliniken Schmieder, Gailingen) erzählt.

Wer weiß ...!

Ein alter Mann lebte zusammen mit seinem einzigen Sohn auf einer kleinen Farm. Sie besaßen nur ein Pferd, mit dem sie die Felder bestellen konnten und kamen gerade so über die Runden.

Eines Tages lief das Pferd davon. Die Leute im Dorf kamen zu dem alten Mann und riefen: „Oh, was für ein schreckliches Unglück!“. Der alte Mann erwiderte aber mit ruhiger Stimme: „Wer weiß...! Wer weiß schon, wozu es gut ist!“

Eine Woche später kam das Pferd zurück und führte eine ganze Herde wunder- schöner Wildpferde mit auf die Koppel. Wieder kamen die Leute aus dem Dorf. „Was für ein unglaubliches Glück“, riefen sie. Doch der alte Mann sagte nur: „Wer weiß...! Wer weiß schon, wozu es gut ist!“

In der nächsten Woche machte sich der Sohn daran, eines der wilden Pferde einzureiten. Er wurde aber abgeworfen und brach sich ein Bein. Nun musste der alte Mann die Feldarbeit allein bewältigen. Und die Leute aus dem Dorf sagten zum ihm: „Was für ein schlimmes Unglück!“ Die Antwort des alten Mannes aber lautete: „Wer weiß...! Wer weiß schon, wozu es gut ist!“

In den nächsten Tagen brach ein Krieg mit dem Nachbarland aus. Die Soldaten der Armee kamen in das Dorf, um alle kriegsfähigen Männer einzuziehen. Alle jungen Männer des Dorfes mussten an die Front und viele von ihnen starben. Der Sohn des alten Mannes aber konnte mit seinem gebrochenen Bein zu Hause bleiben.

„Wer weiß...! Wer weiß, wozu was gut ist!“